«

»

Dez 30

Die Weihnachtsbescherung, eine Nachlese auf den 23.12.2015

Um den Betrieb der Geschäftsstelle bis zum 23.12. gewährleisten zu können, wurden die fertig vorbereiteten Geschenktüten nach dem Packen am 18.12. in einer Garage zwischengelagert. Der Umfang der gepackten Tüten ergab einen bis auf den Beifahrersitz gefüllten Kleintransporter und eine ebenso volle Kombilimousine. Ein Teil der Geschenke wurde nach Geschäftstellschluss am 22.12. wieder dort eingelagert. Die restlichen Geschenke wurden am Vormittag des 23. wieder nach Hochfeld gefahren.

 

 

23.12.2015 Ausgabetag

11:30 Beim Eintreffen des Transporters war der Gehweg vor der Geschäftstelle
bereits mit rund 30 Kindern und deren Erziehungsberechtigten stark belegt.
Es wurde daher entschieden mit dem Ausladen zu warten, bis alle ehrenamtlichen Helfer und die für diesen Tag im Dienst befindlichen Mitarbeiter eingetroffen seien.

11:45 Während sechs Mitarbeiter die Kartons aus dem Auto in den hinteren Bereich
der Geschäftsstelle brachten, sorgten vier weitere Mitarbeiter dafür, dass auch weiterhin Passanten den Gehweg nutzen und auch der Eingangsbereich durch unsere Mitarbeiter behinderungsfrei passiert werden konnte. Dies war die erste Bewährungsprobe für unser späteres Türsteherteam. Denn trotz der rund zehn Erwachsenen vor der Tür, waren die Kinder so aufgeregt, dass immer wieder Druck zum Türbereich hin entstand und dadurch auch entsprechende Rangeleien.

12:00 Erste Teambesprechung. Es wurde kurz erörtert, ob wir nicht bereits deutlich früher mit der Ausgabe beginnen sollten, um den Druck auf die Tür und damit das zu befürchtende Verletzungsrisiko zu mindern. Da die vier Türsteher zuversichtlich sind die Lage unter Kontrolle halten zu können und letztlich auch der Beginn für 13 Uhr angekündigt war, wird entschieden den Veranstaltungsbeginn plangemäß einzuhalten.

12:15 Umbau des Büros, so dass eine Ausgabestelle direkt an der Tür entsteht. Die Türsteher und unsere Dolmetscherin setzen den Wartenden vor der Tür das Procedere auseinander. Plan ist, immer jeweils maximal acht Kinder mit Begleitperson einzulassen, diesen die Geschenke zu geben um sie danach wieder gehen zu lassen und somit einen Stau im Eingangsbereich zu vermeiden.

12:20 Simone lässt unsere Mitarbeiterinnen ihre Kinder durchzählen. In der Folge werden rund 12 alte und neue Freunde unserer Kinder vor die Tür komplimentiert.

12:25 Unruhe an der Tür. Es kämpft sich ein junger Mann durch den Auflauf ins Büro und fragt ob er wohl noch Spenden dürfe. Klar darf er. Etwas genervt erwarte ich also eine Tüte gebrauchtes Spielzeug, welches dann noch in Tüten zu verbringen wäre. Stattdessen bekomme ich einen Umschlag voller Bargeld.
Von einer privaten Initiative erhalten wir eine Barspende von rund 1000,-€. Durch so etwas lässt man sich die Tagesplanung gerne durcheinander bringen.

12:30 Lumi kämpft sich durch Tür um eine draußen aufgeworfene Forderung zu kommunizieren. Man ginge draußen davon aus, dass deutsche Interessenten entsprechend vorrangig behandelt würden und als erste dran kämen. Dies ruft in der Geschäftstelle mildes erstaunen hervor. Wir lassen Lumi vor der Tür entsprechend harsch verkünden, dass jeder in der Reihenfolge des Eintreffens bedient wird.
12:40 Wir werden informiert, dass auf Facebook entsprechende Mitteilungen die Runde machen, dass wir deutsche Interessenten wohl nicht so gerne sehen würden. Wir lassen auch hier klarstellen, dass uns die Nationalität herzlich egal ist, aber es keine Vorzugsbehandlung für wen auch immer gibt.

So mussten auch die jungen Damen innerhalb des Büros zur Kenntnis nehmen, dass sie ihre Weihnachtstüte erst nach allen anderen bekommen würden.

 

 

Gleichzeitig verabschieden wir uns von der Idee, die Bedürftigkeit prüfen zu wollen, dies ist bei der mittlerweile vor der Tür stehenden Menge zeitlich nicht zu machen. Wir stimmen uns darüber ab, dass einzeln vorsprechende Erwachsene mindestens die Ausweise oder einen entsprechenden Kindergeldbescheid vorlegen müssen. Auch dies lassen wir draußen kommunizieren.

12:50 Vor der Tür: Ciprian, Elvis, Marian, Pavel und Lumi.
An der Theke: Simone, Kurt und Roxanna
Logistikbereich: Bernd, Thomas, Tim und Elvira

Showtime

 

 

Zwischen 13:00 und 14:30 läuft alles rund. Die Tüten sind nach 4 Altersgruppen durchsortiert und daher geht die Ausgabe entsprechend schnell über die Bühne. In der Anfangsphase herrscht an der Tür noch häufig Gedränge, da die wartenden Kinder schon hineinwollen, während die grade beschenkten noch zur Tür hinaus gehen. Tumulte und Verletzte bleiben jedoch Dank der geschickt vor der Tür agierenden Crew aus. Es sind rund 250 Geschenke ausgegeben und es stellt sich heraus, dass wir für die 8-10 jährigen zu wenig Tüten gepackt haben.
Im fliegenden Wechsel wird die Mannschaftsaufstellung geändert. Am Ausgabentisch sorgen die beiden 12-jährigen Mädchen unserer Übersetzerinnen dafür, dass die Kinder ordentlich, und vor allem schnell, ihre rechte Hand zur Markierung auf den Tisch legen, damit Bernd die Kreuze machen kann. Es ist anzunehmen, dass ihnen die Wartezeit auf ihre Geschenke zu lang dauert und vor allem der schnelle Schwund der Tüten gewisse Ängste geschürt hat.
Im rückwärtigen Bereich packen Tim, Roxanna, Elvira und Kurt nun im Akkord Tüten je nach zugerufenem Bedarf im Akkord.

16:00 Der Andrang lässt merklich nach. Inmitten eines Trümmerfeldes aus leeren Umzugskartons, Müllsäcken, Postpaketen, Wäschekörben und Plastikkörben das erste Mal Zeit Luft zu holen.
Teambesprechung vor der Tür bei der ersten Zigarette seit 12 Uhr. Wir sind uns einig, dass wir eigentlich zu alt für solche Sachen sind. Allerdings war jede selig umarmte Tüte die unser Büro verließ den Aufwand wert. Derweil werden die noch vereinzelt eintreffenden Kunden von den beiden routiniert agierenden 12-jährigen Ausgabechefs, unterstützt von Elvis und Roxanna, bedient.

16:30 Die überall verstreuten Packgefäße werden eingesammelt und bei Bernd ins Auto verbracht um zum Wertstoffhof gefahren zu werden. Gegen 16:45 ähnelt die Geschäftstelle auch tatsächlich wieder einem Büro. Dann noch eben durchfeudeln lassen und ab auf die Couch, so mein Plan. Den durchkreuzen nun die resolut auftretenden Hilfskräfte im bedingt geschäftsfähigen Alter, welche mich nachdrücklich an mein leichtsinnig abgegebenes Versprechen erinnern, dass ihnen auch Weihnachtstüten zustehen, selbstverständlich bevorzugt durch eine Puppe bestückt.

 

 

17:15 Zermürbt durch die aggressive Verhandlungsführung kapituliert die Geschäftsführung schließlich. Den Kartontransporter wieder zum 7-Sitzer umgebaut geht es dann auf die nächste Mission: „Puppen für die Belegschaft“ Drei Mütter und zwei minderjährige Einkaufsberater im Auto ab zum Spielwarengroßdealer. Hier mache ich zwei durchaus interessante Erfahrungen. Wenn du mit drei Roma Frauen einkaufen gehst, hast du die ungeteilte Aufmerksamkeit von doppelt so viel Personal in einem lichten Umkreis von rund 5m. Ich wusste gar nicht, dass abseits der Kasse so viel Personal vorhanden ist.
Die Zweite war, ich habe eigentlich noch nie jemanden mit so viel Konzentration und Aufmerksamkeit sein wohl erstes selbst ausgesuchtes Weihnachtsgeschenk aussuchen sehen, wie diese beiden Romamädchen. Angesagt war maximaler Spielwert bei Berücksichtigung der Wertgrenze die vorher gesetzt war. Ein Denkanstoß wie satt wir heutzutage sind, wenn man bedenkt, dass der Weihnachtsbaum tunlichst unter den Geschenken verschwinden soll und wie gering die Wertschätzung dessen ist, was wir dort bekommen haben.
Während des durchaus sehr lebhaften Entscheidungsprozesses amüsierte ich mich ausnehmend gut damit, die Mitarbeiter des Discounters dabei zu beobachten, wie sie diese Gruppe unauffällig unter Beobachtung zu halten versuchten.

18:15 Vier Puppen und drei riesige Feuerwehrautos machen den Transporter wieder zum Geschenkeschlitten. Diese übertarifliche Aufwandsvergütung kurzfristig zwangsverpflichtetem Personal gegenüber wurde übrigens nicht aus Vereinsmitteln bestritten, sondern durch einen privaten Spender.

19:30 Alles wieder im Plan, Couch!

Fazit:
Die Weihnachtsgeschenkeaktion 2015 war ein voller Erfolg. Von den ursprünglich vorhandenen 500 Tüten sind weniger als 100 übrig. Somit haben wir tatsächlich zwischen 350 und 400 Geschenke an Kinder verteilen können.

Weiterhin erfreulich war aus meiner Sicht, dass dieses Jahr auch bedürftige Familien türkischer und deutscher Herkunft das Angebot des Vereins wahrgenommen haben, auch wenn es am 23.12. einige Irritationen gab, die wohl auf Missverständnissen bei der Kommunikation beruhten.

An Restbeständen verbleiben dem Verein derzeit ungefähr:
– Ein halber Umzugskarton Comics
– Einige Puzzles bei den denen die Kartons beschädigt waren und daher nicht
ausgegeben wurden
– Bücher wie: Deutschlands schönste Topfpflanzen, Kinderbibeln u.ä. Titel
– Ein Wäschekorb VHS Videokassetten
– Ein Paar Inliner, Größe 44

Comics und Bücher werden wir im Laufe der nächsten Wochen an die öffentlichen Bücherregale in der Umgebung verteilen. Dasselbe gilt für die VHS Kassetten. Da es vom Aufwand her nicht vertretbar ist die Puzzles auf Vollzähligkeit zu prüfen, werden wir diese wohl schweren Herzens in die Altpapiersammlung geben müssen. Dies trifft auf ungefähr 10% der gespendeten Puzzles zu. In dieser Sache möchten wir den Hinweis geben, sofern Puzzles nicht Originalverpackt sind, in Zukunft bitte den Inhalt noch einmal in eine Plastiktüte o.ä. zu geben, damit bei Transportschäden trotzdem die Vollzähligkeit erhalten bleibt. Wir sind auch zuversichtlich für das Paar Inliner einen Besitzer finden zu können.

Wir möchten allen Spendern noch einmal herzlich für ihren Einsatz danken, die damit vielen Kindern ein sonst wohl eher tristes Weihnachtsfest schöner gemacht haben. Für den Verein war dieser Event auf Grund seiner derzeit sehr angespannten Personallage ein nicht unerheblicher Kraftakt. Wir sind trotzdem froh uns entschieden zu haben ihn dennoch durchzuführen. Wer die Bilder betrachtet, erhält nur einen kleinen Eindruck davon, wie viel Glück durch diese Gaben an diesem Tag erzeugt wurden.

Wir wünschen allen Mitbürgern einen guten Rutsch und ein durch Gesundheit und persönliche Zufriedenheit erfülltes 2016.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>